Häufig bei dieser EM drängt sich der Vergleich zum fulminanten "Sommermärchen" 2006 auf, als die ganze Welt zu Gast bei (deutschen) Freunden war und hierzulande ein Fußballfest gefeiert wurde, welches seinesgleichen suchte.
Zwei Jahre später ist alles anders. Es ist nur die europäische Welt, die zu Gast bei (österreichischen und schweizerischen) Freunden ist, dadurch bleiben Stimmung bringende Exoten wie Costa Rica, Brasilien und die "Gauchos" außen vor -
schade.
Die Stimmung in den beiden Gastgeberländern ist - wenn man den Fernsehbildern und den Schilderungen in den Zeitungen und im Internet Gauben schenken mag - bei weitem nicht so gut wie vor zwei Jahren, die Stadien sind natürlich kleiner, die Fanmeilen längst nicht immer voll; und viele Wirte und Restaurantbesitzer, denen man - vermutlich prognostiziert über den Umsatz des Nachbarlandes 2006 - "a finanzielle Gaudi" versprochen hatte, sind ob des geringen Durstes der Fußballfans (den Hauptgrund dafür sehen Experten im Ausscheiden der englischen Mannschaft in der EM-Qualifikation) enttäuscht und klagen über schlechte Geschäfte.
Schade.
Die Spiele sind teilweise ganz nett, andere überhaupt nicht nett, einige der achso-großen Favoriten (insbesondere in Person von Welt- und Vizeweltmeister) haben bisher auf ganzer Linie enttäuscht. Nicht, das es mir insbesondere für den heiß geliebten und verdienten Weltmeister sonderlich leid tun würde - aber schlechte Spiele von personell gut besetzten Mannschaften sind...auch
schade.
Schließlich ist es auch die Stimmung in Deutschland und in meinem persönlichen Umfeld, die sich von jener 2006 unterscheidet. War es damals wirklich "nur" der Umstand, dass die WM im eigenen Lande ausgetragen wurde, die selbiges in eine vierwöchige Ekstase versetzte? Kann man sich nicht annähernd so für Fußball und fürs eigene Team begeistern, wenn es im Ausland (und geographisch sogar nicht sehr weit entfernt) spielt? Es geht nicht darum, dass Deutschland gegen Kroatien verloren hat, auch das war
schade, ist aber passiert. Nein, auch während und nach dem Polen-Spiel war nicht die Euphorie zu spüren, wie sie 2006 allgegenwärtig war, Fahnen an jedem gefühlten 5. Auto reichen eben allein nicht aus, um die 2006er Stimmung wiederzubeleben. Während ich mir täglich die Berichte und Reportagen und Analysen der SZ zur EM durchlese (übrigens nicht mehr mit derselben Begeisterung wie während der Weltmeisterschaft -
schade), frage ich mich, woran es liegt, dass die Stimmung nicht da ist. Aber ich komme zu keiner schlüssigen Antwort.
Es passt einfach alles nicht so richtig. Die deutsche Elf habe ich noch nicht aufgegeben, ich glaube, dass wir gegen Österreich (wenns auch kein leichtes Spiel wird) gewinnen werden. Aber die Stimmung von 2006 werden wir auch damit nicht zurückgewinnen - was bleibt, ist eine Mär vom Sommermärchen.
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EDIT: Der Löwe hat in den Kommentaren das suboptimale Wetter angesprochen und mich gerade darauf aufmerksam gemacht, dass es ab Dienstag zumindest in dieser Hinsicht aufwärts gehen soll...aber seht selbst, "the Better-Wetter" auf
Beta.Wetter!]
SanMiguel - 15. Jun, 08:44