Samstag, 5. September 2009

Grüß Gott - und servus.

Nun bin ich also bereits seit einer Woche in der bayrischen Landeshauptstadt. Anlass genug, so denke ich mir gerade, mich mal wieder bei möglicherweise verbliebenen Eifelnews-Lesern in Erinnerung zu rufen und das in den letzten Monaten kärglich vor sich hin siechende Medium Weblog noch einmal als eine Art Reisetagebuch zu reaktivieren. Von welcher Dauer dieses hehre Ziel wird sein können - schau' mer mal!

Die erste von acht Wochen Praktikum ist genau genommen bereits vorbei - auch wenn ich diese Rechnung etwas gemogelt ist, da ich erst am Dienstag, also dem Ersten, angefangen habe. Trotzdem, die ersten Eindrücke sind da, sind gut. Meine letztjährigen Bewerbungsbemühungen, gepaart mit der mir eigenen ahnungslosen Tolpatschigkeit, haben mich in die Redaktion Primetime der großen überregionalen Tageszeitung Münchens gespült - ein "guter Fang" ("Preim watt machs' du?" -> Interessierte hier oder hier entlang.)

Vom 18. Stockwerk des gläsernen Neubaus aus betrachtet liegt einem (mindestens) der Oststeil Münchens zu Füßen, bei gutem Wetter weitaus mehr. Neben bislang sehr interessanten by-the-way-Erfahrungen sind die Praktikumsinhalte - grob angerissen und nicht weiter überraschend - das Verfassen und Redigieren von Meldungen und die Produktion eigener Texte. Überraschender - obwohl mir auch das zumindest nicht unklar war - ist die (mir) gegebene thematische Freiheit: Querbeet geht's aus der Politik in die Wirtschaft hinein und hinüber zum Sport und ins Panorama, weil's eben kein in sich geschlossenes Ressort ist, sondern eine richtige kleine Zeitung. Nach den ersten paar Tagen kann ich mich nicht beklagen. Oder, um bei dem allgegenwärtigen Krisengejammer mal nahezu verbal zu entgleisen: Ich bin zufrieden! Obgleich ich bei mir selbst noch viel Luft nach oben sehe, auch im 18. Stockwerk.

Unterschlupf
gefunden habe ich - für Münchner Verhältnisse zu einem wahren "Spottpreisle" - in einem Wohnheim der Studentenstadt Freimann, der nach eigenen Angaben größten Studentenstadt Deutschlands. Sonderlich viele meiner auf 15 Häuser verteilten 2.500 Mitbewohner habe ich bisher nicht kennengelernt, von dem 30-sekündigen "Hallo-ich-bin-Michael-und-du?-Hallo-ich-bin-Alex!"-Gespräch mit einem meiner Flurnachbarn einmal abgesehen. Während mich einerseits meine geregelte Praktikums-Arbeitszeit davon abhält, als Springinsfeld das Studentenwohnheim unsicher zu machen und mit der Schickeria ins Münchener Nachtleben einzutauchen, habe ich meine Ruhe die ersten Tage auch einfach genossen. Dazu passend: Mein drei Quadratmeter großes Panorama-Fenster aus dem 22. Stockwerk (!) des BWM-gesponserten Haus 9 bietet einen herrlichen Ausblick auf den Englischen Garten, in dem ich selbstverständlich schon meine Füße abgestellt und sogar rhythmisch bewegt habe.

In die Innenstadt bewegt - lässt man eine kleine Einkaufstour unter der Woche mal außer Acht - habe ich mich gestern und heute erst- und zweitmals, zunächst zur Langen Münchner Shopping-Nacht, heute zum lockeren Sightseeing-Aufgalopp. Das lang ersehnte Weißwurst-Frühstück mit einem halben Blonden inbegriffen. Ich könnte jetzt noch erzählen, dass ich natürlich auch schon eine saftige Leberkäs-Semmel gekostet und eine Flasche meines bayrischen Leib- und Magenbieres Augustiner hinuntergespült habe; die Relevanz solcher Anekdoten ist jedoch fraglich, ihr Überraschungsgehalt tendiert gegen null.

Daher lasse ich's hierbei bewenden und hoffe, mich in Bälde wieder zum Verfassen eines neuen Lageberichts aufraffen zu können.

Bis dahin - servus!

[Nachtrag: Kann es sein, dass sich flinke Möbelpacker unberechtigten Zugang zu meinem trauten Übergangsheim verschafft haben? Wie anders wäre der Umstand zu erklären, dass sich in meiner kleinen Küche kein Ofen befindet, in meinem Tiefkühlfach jedoch zwei Pizzen, mit Thunfisch belegt, liegen? Die These, ich hätte mir Pizzen nach vorheriger Illusion eines vorhandenen Ofens gekauft, erscheint mir doch mehr als abwegig. Ich krieg' euch Ofendiebe!]

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